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Liebe Leute
Endlich kommen wir dazu unser letztes Rundmail aus
Asien zu schreiben. Es gibt so viel zu tun und zu sehen hier in Katmandu und
im Tal, so dass ihr alle lange warten musstet. Doch alles Warten hat sein
Ende so wie bald
auch unsere Reise. Weiter in Butwal: Die Strasse von Butwal nach Pokhara
ist nie flach. Das ist ziemlich hart, da wir seit dem Norden von Pakistan
keine Erhöhung mehr unter unsere Räder bekamen. Doch die Landschaft
entschädigt alle Anstrengung und auf dem Weg nach Tansen werden uns frische
Bananen und Ananas angeboten. Ich hoffe, dass ich nach diesem Gaumenschmaus
die faden Bananen in der Schweiz noch zu schätzen weiss.
In Tansen sehen wir zum ersten mal die mächtigen Berge des Hamalayas. Es ist
unglaublich wie gross und schön die Anapurnakette über den Wolken liegt.
Auf dem Dach des Hotels sehen wir sowohl den Sonnenuntergang wie auch den
Aufgang. Es wird die beste Sicht bleiben, die wir vom Boden je bekommen.
Nach weiteren 2 Tagen Velofahren erreichen wir Pokhara. Wir wollen so 4 Tage
bleiben und dann weiter gehen. Doch die Holy Lodge gefällt uns so sehr, dass
wir 13 Tage in Pokhara bleiben und noch einen 5-Tage Trek nach Panchase
machen. In Pokhara gehen wir oft Segeln, spielen viel Tschungi (das Pendant
zu einem Haecky, ausser dass es aus alten Veloschläuchen hergestellt wird),
gehen an den See oder unterhalten uns mit den vielen anderen Reisenden, die
auch in der selben Lodge wohnen. Wir unternehmen alles zusammen, so als
würden wir uns schon lange kennen. Es ist wunderbar Leute aus vielen
verschiedenen Ländern zu treffen und damit auch unser Englisch nochmals zu
verbessern. Jeden Abend sitzen wir am Feuer und erzählen uns gegenseitig
Erlebnisse und diskutieren über die verschiedenen Länder aus denen wir
abstammen oder die wir bereist haben. Auf meinen Geburtstag bekomme ich eine
grosse Geburtstagstorte und viele Petards. Es ist sehr gemütlich, ausser
dass niemand von euch gekommen ist! Doch das lässt sich ja bald nachholen.
(Danke für die vielen Geburtstagsmails).
Einen Tag nach meinem Geburtstag gönnen wir uns etwas wunderbares: Wir
fliegen in einem Tandemgleitschirm durch das Tal. Aus der Luft ist der
Anblick auf die Berge nochmals gigantischer. Auch ist es ein unglaubliches
Gefühl so in der Luft zu sitzen und den Boden 100te Meter unter sich zu
haben.
Jetzt hat wieder mal der Schreiber gewechselt , doch
auch ich genoss die 45 Minuten als wären es Stunden. Am Schluss des Fluges
gab’s noch Akrobatikeinlagen über dem See, bei denen es mir beinahe das
Gesicht weggefetzt hat vor lauter Beschleunigungskraft. Das Leben war schön
und gemütlich in Pokhara aber wir konnten ja nicht ewig bleiben, so wie die
beiden Welschen, die schon seit drei Monaten dort waren oder die
südfranzösische Althippiefrau, die noch weitere 4 Monate bleiben wird. Also
sind wir eines Morgens nach fast drei Wochen los in Richtung Katmandu. Aber
wir nehmen es gemütlich und haben für die letzten 200 Kilometer 4 Tage
verwendet. Da es auf dem Weg keine grossen Dörfer gibt, stiegen wir nochmals
in richtig billigen und schmuddeligen Lodges ab. Bei der Einfahrt nach
Katmandu hatten wir grosses Glück. Es war ein Genereller Petrolstreik, der
quasi das ganze Verkehrsnetz lahm legte, so dass wir die Strassen nur mit
spielenden Kindern und hin und wieder einer Ambulanz teilen mussten. Der
Streik war von der Kommunistischen Partei organisiert, nicht zu verwechseln
mit den Maoisten, die soweit ich weiss keine offizielle Partei haben. Die
Begründung war, dass die Petrolhändler das Petrol mit dem Diesel mischen und
dann gar nichts mehr funktioniert. Am Abend unserer Ankunft haben wir uns
ein richtig luxuriöses Abendessen in einem guten Restaurant in der
Touristenzone Thamel gegönnt. Wir haben es sehr genossen, obwohl Pizza mit
Wein Vorspeise und Dessert gegen einheimisches Essen gut 30 mal so teuer
kommt. Nach ein Paar Tagen relaxen hier haben wir realisiert, dass unser
alter Freund Hugo, den wir schon in Istanbul getroffen hatten, nun auch in
hier angekommen ist. Als wir uns trafen, haben wir beschlossen, zusammen
eine Runde Im Tal von Katmandu zu machen, auf der wir viele schöne alte
Tempel besichtigten und eine bizarre Opferzeremonie miterlebten, bei der
pausenlos Ziegenbocks -und Hahnenblut floss. Es ist erstaunlich, wie nahe
von der grossen Stadt wieder das gnadenlose Landleben von Nepal anfängt.
Hier im Thamel ist alles erhältlich was man für Geld kaufen kann und 15
Kilometer entfernt gibt es kaum Geld und wenn man Glück hat ein Paar
Biskuits im Gemischtwarenladen des Dorfes. Die Leute dort, vor allem die
Frauen arbeiten so hart, dass man sich das in der Schweiz gar nicht mehr
vorstellen kann. Das war für uns ein wunderbarer Abschluss unseres
Velofahrens in der weiten Welt. Nun sind es gerade noch drei Tage, bis wir
zurück nach Paris fliegen. Von dort werden wir noch die restlichen 600
Kilometer bis in unsere Heimatstadt unter die Räder nehmen... Die Reise ist
noch nicht zu Ende, ganz im Gegensatz zu unserem Geld. Wir hoffen die
letzten 10 Tage der Reise trotzdem, oder erst recht zu geniessen und dafür
sind wir zuversichtlich. Wir freuen euch bald zu sehen und wünschen euch
noch viel vergnügen mit euren 0 Grad.
Liebste Grüsse Gregor und Beda
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